Branchen-Highlight in Wetzlar: GKFP und EPPA Deutschland beleuchten die Zukunft des Bauens
Am 7. Mai 2026 kamen die Mitglieder von Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme e.V. (GKFP) und EPPA Deutschland e.V. in Wetzlar zusammen, um ihre diesjährigen Mitgliederversammlungen abzuhalten. Das Ernst Leitz Hotel im Leitz-Park bot den idealen Rahmen für einen intensiven Austausch über die aktuellen Branchenthemen.
Bereits am Vorabend startete die Veranstaltung mit einem gemeinsamen Abendessen in modernem Ambiente. In entspannter Atmosphäre nutzten die Mitglieder, Partnerverbände und Gäste aus Fachkreisen die Gelegenheit, bestehende Netzwerke zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen.
Die Mitgliederversammlung beider Verbände am 7. Mai wurde offiziell durch die Vorstände beider Verbände unter der Führung von Christian Fischer, Vorstandsvorsitzender der GKFP, eröffnet.
Im Anschluss stellte der stellvertretende Vorstand von EPPA Deutschland, Daniel Andreas, die vier Referenten der öffentlichen Vortragsveranstaltung vor, die ein breites Spektrum von der Digitalisierung über die Nachhaltigkeit bis hin zur Schadensanalyse als Themen mitbrachten.
Digitalisierung und Datenqualität im Fokus
Den Auftakt machte Prof. Dr.-Ing. Joaquín Díaz, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Software und Digitalisierung im Bauwesen e.V., der eindrucksvoll die Treiber der digitalen Transformation im modernen Bauwesen skizzierte. Seine zentrale Botschaft lautete: „Information ist gleich Know-How.“ Das bedeutet, Informationen werden im Rahmen der Digitalisierung gezielt erzeugt, genutzt und weitergegeben. Er betonte, dass Produkte stets transportiert und transformiert werden müssen, wobei die Datenqualität mittlerweile denselben Stellenwert einnimmt wie die Produktqualität selbst. Ziel müsse die durchgängige Nutzung digitaler Informationen in Modellen sein.
Als konkrete Handlungsempfehlungen nannte Prof. Díaz die systematische Strukturierung von Produktdaten, die Priorisierung BIM-relevanter Attribute sowie die Nutzung offener Schnittstellen. Sein Fazit: Die Branche wird nicht allein durch mehr Software digital, sondern durch die zuverlässige, maschinenlesbare Nutzung von Informationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Circular Valley: Die Kreislaufwirtschaft als Innovationsmotor
Im zweiten Vortrag präsentierte Dipl.-Ing. Andreas Mucke das Projekt „Circular Valley – Das Silicon Valley der Kreislaufwirtschaft“. Als Geschäftsführer von „Circular Valley“ zeigte er auf, wie zirkuläres Denken zum Innovationsmotor werden kann. Angesichts von weltweit 100 Milliarden Tonnen Emissionen und Abfall pro Jahr sowie einer Recyclingquote von nur 13 % in Deutschland, ist der Handlungsbedarf enorm. Mucke identifizierte das Rhein- und Ruhrgebiet als globalen Hotspot für zirkuläre Lösungen, begründet durch das einzigartige Wissenschaftsumfeld und die ausgeprägte Industrietradition.
Die Stiftung Circular Valley fungiert dabei als Wissensnetzwerk zwischen Forschung, Wirtschaft und Startups. Mucke lud die Anwesenden herzlich ein, diesen Austausch auf dem nächsten Circular Valley Forum am 13. November 2026 in Wuppertal sowie der Circular Valley Convention im Mai 2027 in Düsseldorf zu vertiefen.
Künstliche Intelligenz: Chancen und Regulatorik
Prof. Dr.-Ing. Nicolas Stein von der Technischen Hochschule Mittelhessen / KITE beleuchtete im dritten Vortrag die Welt der Künstlichen Intelligenz (KI). Während KI-Systeme bereits seit Jahrzehnten existieren, eröffnen moderne generative KIs völlig neue Möglichkeiten in der Produktion und Planung, etwa durch intelligente 3D-Drucker. Prof. Stein thematisierte jedoch auch die Hürden: Vor allem die Angst vor Arbeitsplatzverlusten bremse die Entwicklung in Deutschland.
Zudem wies er auf die Risiken hin: Gemäß dem EU AI Act müssen KI-generierte Inhalte klar gekennzeichnet werden. Auf eine Publikumsfrage zur Kostenentwicklung prognostizierte Prof. Stein, dass KI-Anwendungen künftig eher teurer werden, da die Entwickler die Rentabilität ihrer Systeme sicherstellen müssen.
Systematische Schadensanalyse bei Bauelementen
Den Abschluss machte Prof. Dr.-Ing. Katrin Reincke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Polymer Service GmbH Merseburg, die unter dem Titel „Was Schäden uns erzählen“ Einblicke in die systematische Schadensanalyse nach VDI-Richtlinie 3822 gab. Am Beispiel von Fenstern, Türen und Rollläden demonstrierte sie mittels IR-Spektroskopie, wie Alterungsprozesse an PVC-Profilen und Dichtungen entstehen.
Anhand eines konkreten Falls verdeutlichte Prof. Reincke, dass Schäden selten eine einzige Ursache haben. Vielmehr sei es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: konstruktive Details (wie stehendes Wasser an Falzkanten), mikroklimatische Einflüsse (Biofilme durch Pollen oder Algen) sowie die Wartung und Reinigung durch den Nutzer. Das Fazit der Expertin: Die Schadensanalyse ist in vielen Fällen durch eine hohe Komplexität und einen entsprechend anspruchsvollen Charakter gekennzeichnet. Die Vielfalt an Kunststoffen und Kunststoffprodukten sowie deren Wechselwirkungen mit der Umwelt verleihen diesem Tätigkeitsfeld jedoch zugleich eine besondere Spannung und Vielseitigkeit.
Nach der Kür folgte das Pflichtprogramm
Nach diesen fachlichen Impulsen führten die beiden Verbände am Nachmittag ihre regulären, internen Mitgliederversammlungen durch. Neben den Rechenschaftsberichten standen dabei die strategische Ausrichtung und die künftige Zusammenarbeit im Fokus.
Daniel Andreas, informierte die Anwesenden zunächst über personelle und strukturelle Veränderungen in der Geschäftsstelle, darunter die Vorstellung von Stefan Frye als neuen Geschäftsführer beider Verbände, und hieß die neuen Mitglieder herzlich willkommen.
Ein zentraler Programmpunkt war die Präsentation der Ergebnisse des vorangegangenen Strategie-Workshops, insbesondere die Formulierung der Vision und Mission für den jeweiligen Verband. Darauf aufbauend stellte Daniel Andreas die geplanten Projekte und Vorhaben vor, die die Verbandsarbeit in der kommenden Zeit maßgeblich prägen werden.
Besprochen wurden auch die Vorschläge zur Satzungsänderung für EPPA Deutschland e.V., die die Neuausrichtung des Verbandes widerspiegeln sollen.
Seitens der Geschäftsstelle informierten Ulrike Quiehl und Bernhard Elias über den aktuellen Stand der Revision der RAL-GZ 716 inklusive Verschlankung sowie des Technischen Anhangs.
Zum Abschluss der Versammlung wurden die notwendigen vereinsrechtlichen Regularien behandelt.
Dieses Jahr gehörte dazu auch eine Nachwahl zum Güteausschuss. Carsten Schäfer (aluplast GmbH) verließ nach 20 Jahren Mitarbeit das Gremium und schlug Dominik Mathes (ebenfalls aluplast GmbH) als seinen Nachfolger vor. Unter der Leitung von Peter Czajkowski als Obmann wurde Dominik Mathes einstimmig in den Güteausschuss gewählt. Die Gütegemeinschaft bedankt sich an dieser Stelle bei Herrn Schäfer für die vielen Jahre seines Engagements für die Gütesicherung und die Gütegemeinschaft und begrüßt Herrn Mathes ganz herzlich im Gremium.
Mit einem positiven Resümee verabschiedeten sich die Teilnehmer aus Wetzlar.
Der Termin für das nächste Jahr wird im Sommer bekannt gegeben.
www.gkfp.de
www.eppa-profiles.de
Nähere Informationen zum Programm finden Interessierte auf den Internetseiten der Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme e.V. sowie EPPA Deutschland e.V.
© Sarah Heuser/ GKFP e.V.











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